Die Münzsammlung als barocke Zeitkapsel
Ein fast vergessenes Juwel der ehemaligen Wunderkammer der Stiftsbibliothek St. Gallen ist bis heute erhalten geblieben: ihre Münz- und Medaillensammlung. Rund 3000 Münzen umfasst sie.
Aufbewahrt wird sie bis heute in einem eigens angefertigten Schrank mit der Aufschrift „Numophylacium“, in der historischen Handschriftenkammer des 18. Jahrhunderts. Fast unangetastet hat sie die Zeit überdauert – und wirkt heute wie eine barocke Zeitkapsel.
Gerade das macht sie so besonders: Es ist kaum eine vergleichbare Klostersammlung in der Schweiz oder in Österreich bekannt, die in einem so authentischen Zustand des späten 18. Jahrhunderts erhalten ist. Neben echten antiken Münzen finden sich auch Fälschungen und gelehrte Irrtümer. So dokumentiert die Sammlung eindrücklich den Wissensstand – und die Fehlannahmen – der Numismatik kurz vor dem Ende des Ancien Régime.
Damit ist die St. Galler Münzsammlung nicht nur ein Schatz aus Metall, sondern ein faszinierendes Zeugnis der Wissensgeschichte: Sie zeigt, wie sich aus barocker Sammelleidenschaft allmählich eine Wissenschaft entwickelte.
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