00:00:07: Herzlich willkommen zum Podcast der Stiftzivilität Sankt Gallen.
00:00:11: In dieser Folge mit Sabine Bachhofner, mein Name ist Silo Frick.
00:00:16: Sabine, herzlich Willkommen!
00:00:17: Schön bist du da.
00:00:18: Danke dass ich hier sein darf.
00:00:20: Du bist Bibliothekarin in der Stiftsivilität von in der Ausleihe.
00:00:24: Du arbeitest mit alten gedruckten Büchern vor allem.
00:00:27: Du katalogisierst diese.
00:00:29: Heute möchten wir ein bisschen dieses Thema hinschauen und dieses Gebiet hineinschaut.
00:00:33: Sabina eine Frage beschäftigt mich Wie häufig musst du die Hände waschen?
00:00:38: Alte Bücher sind doch dreckig.
00:00:40: Ja, also ich wasche sie auf jeden Fall sehr häufig.
00:00:46: Wir haben extra ein kleines Lavabo bei uns im Büro aber anschließend befindet sich auch gleich der Lesesaal.
00:00:53: das ist also quasi ein Teil des Arbeitsortes für Forscherinnen und Forscher die Handschriften und alte Drucker besichtigen.
00:01:02: Die weise ich ein, dass Sie bitte Ihre Hände vorab waschen.
00:01:07: Ich mache das ebenso wenn ich zu katalogisieren beginne.
00:01:10: Wasche ich meine Hände.
00:01:11: Optimalerweise wäscht man sie vorab zur Schonung der Handschiften oder in meinem Fall der alten Drucken und im Anschluss für meine Gesundheit.
00:01:23: Man weiß nicht was da immer noch so dran ist und wenn ich danach wieder im Alltag unterwegs bin und mir ins Gesicht fasse muss sich auch darauf achten
00:01:31: Natürlich.
00:01:33: Du sagst Handschrift und alte Drucker, das sind die beiden Bereiche.
00:01:36: jetzt du arbeitest mit den alten Drucken?
00:01:39: Was muss man sich vorstellen, alte Drucke?
00:01:41: Das ist eine spannende Frage gerade auch wenn ich daran denke dass wir oft Anfragen bekommen ob wir antike Bücher übernehmen.
00:01:52: Ich sage mal viele verbinden mit antiken Bücher aus dem neunzehnten Jahrhundert.
00:01:58: Für uns ist das aber nicht alt.
00:02:00: Wir sprechen von Alzendrucken, wenn wir Bücher vom Fünfzehnten bis zum achtzehnte Jahrhundert bezeichnen.
00:02:10: Die frühesten Alzeldrucke, die wir bei uns liegen haben, stammen wirklich aus dem fünftzehntem Jahrhunderte.
00:02:15: Diese haben wie nochmals einen separaten Begriff nämlich Inkunabeln oder auf Deutsch Wiegendrucken.
00:02:24: In Kunabula lateinisch heißt eben Wiege Und das bedeutet, dass der Buchdruck damals noch in der Wiege lag.
00:02:33: Deswegen Wigendrucke.
00:02:35: Die Anfangszeit des Buchdrucks war eine experimentelle Phase.
00:02:41: Vor einigen Jahren gab es in der Stichselothek eine Ausstellung dazu.
00:02:46: Ja sind auch schöne Bücher diese Ehe.
00:02:47: Also du sagst experimentelle Fase ein bisschen.
00:02:50: Das tastet sich so weg von der Handschrift zum gedruckten Buch.
00:02:53: Das sieht dann gedruckt ja häufig auch noch ein bisschen in der Gestaltung aus wie eine Handschrifte.
00:02:58: Diese Inkonablen, diese Wegendrucke kommen nicht von nichts sondern da gibt es wirklich einen Vorläufer die Handschriften die auch schon eine lange Entwicklung vorab durchgemacht haben und das gedruckte Buch im Anschluss sehr stark bestimmt haben.
00:03:14: Gestaltung sieht so aus wie Handschriften, die hundert, zwei, dreihundert Jahre älter sind.
00:03:20: Also es setzt sich wie sofort.
00:03:22: Aber sozusagen auch die heutigen Bücher stammen von diesen Handschiften ab.
00:03:26: Diese Anfangszeit, diese Inkonabelzeit?
00:03:28: Wie viele alte Drucken sind das in der Stiftzüberteck liegen aus dieser Zeit und gibt es da spezielle Verzeichnisse dazu?
00:03:36: Wir gehen davon aus dass es rund tausend sind was gerade eine gute Zahl die man sich Etwa merken kann, Ende des neunzehnten Jahrhunderts gab es einen Gustav Scherrer.
00:03:49: Der hat diverse Verzeichnisse von verschiedenen Medien angelegt auch in verschiedenen Bibliotheken also.
00:03:57: er hat ein Verzeichnis der Handschriften der Stysiolothek angelegt Und er hat aber auch ein Verzeichnis der Inkunabeln und Frühdrucke angelegt.
00:04:08: Dort sind rund thousandsechshundert Drucker verzeichnet, weil er Ende des neunzehnten Jahrhunderts Inkunaben- und Drucker bis fünftzehnhundertzwanzig zusammengefasst hat.
00:04:22: Heute macht man da einen stärkeren Schnitt um das Jahr Fünfzehnhundert und spricht eben von... diesen aus dem fünften Jahrhundert von den Inkunabeln und ab Fünfzehnhunderteins.
00:04:34: die Drucken sind Frühdrucke oder werden zu den alten Drucken gezählt.
00:04:39: Dementsprechend unterscheiden sich auch die Bibliografien, womit ich in der Erschließung arbeite.
00:04:48: Die Werke aus dem fünften Jahrhundert, die sind wirklich alle gedruckten aus der damaligen Druckwelt.
00:04:56: Sind erschlossen im Gesamtkatalog der Wiegen-Drucke und anschließend gibt es Verzeichnis der deutschen Drucke aus dem sechzehn Jahrhunderte.
00:05:06: Die sind wirklich nur deutschsprachige Druckorte drin verzeichnet und dann gibt's halt pro Druckländer, sage ich jetzt mal weitere Verzeichnisse zum Beispiel für Frankreich oder Italien?
00:05:21: Das musste mir aber erklären.
00:05:22: Jetzt gibt es diesen Scherer, der hat die erschlossen und dann gibt es diese großen Gesamtverzeichnisse.
00:05:29: Und was machst du jetzt genau?
00:05:31: Musst du überhaupt noch etwas machen?
00:05:33: Die sind ja alle irgendwo schon aufgeführt.
00:05:36: Die sind alle aufgeführt und da bin ich auch ganz froh drum.
00:05:39: Es ist so das in der Stiefzübliothek alle in diesem Schärferzeichnis drin sind.
00:05:46: Sie sind aber auch alle in unserem elektronischen Bibliothekskatalog erfasst, also jeder kann von zu Hause ausschauen welche alten Drucken und Inkonablen wir haben.
00:05:59: ich mache eine Rekathologisierung als eben ist es schon etwas da.
00:06:03: in meiner Rekatologisierung überprüfe ich einerseits ob die Zuschreibung zu den Bibliografieren wirklich stimmt.
00:06:12: Also, zu dem Bibliographien im Fall der Inkonablen ist das eben dieser Gesamtkatalog der Wiegendrucke.
00:06:18: Ich mache da einen Abgleich.
00:06:20: also ich gehe wirklich eigentlich jede Seite durch zähle diese Seiten und vergleiche dass Und dann ist es eben spannend heute herauszufinden fehlt eine Seite und das macht unseren Druck gleich ein bisschen spezieller.
00:06:35: Vielleicht fehlt nämlich eine Seite mit einem schönen Holt-Schnitt drauf und dann kann man davon ausgehen, da hat jemand gefräfelt und sich selbst mit einem schönen Bild bereichert.
00:06:47: oder es gibt auch teilweise kleine fehlende Stellen beispielsweise auf der Titelseite.
00:06:55: Dann kann man davoneus gehen dass dieses Buch früher jemand anderem gehört hat Und der nächste Besitzer wollte nicht, dass man da sieht.
00:07:04: Wenn man es früher gehört hat und er hat diesen Vorbesitzer eben getilgt.
00:07:09: das ist ein weiterer Aspekt den ich in die Katalogisierung einfließen lasse.
00:07:14: Das ist die Provenienzerschließung.
00:07:17: also eben gibt es irgendwelche Erwähnungen von Vorbesitzern gibt es eben auch nur so eine Fehlstelle oder eben auf.
00:07:25: Der korrekte Begriff dafür ist Hilgung.
00:07:27: Das sind alles Provenienzmerkmale, die ich erfasse und die dann die Buchgeschichte dieses einzelnen Exemplares verdeutlichen.
00:07:39: Also du schaust sehr, sehr genau hin!
00:07:40: Du machst eine Überprüfung der Zuschreibungen, also stimmt.
00:07:44: Der Inhalt, du prüfst Seite für Seite.
00:07:46: Fällt etwas?
00:07:47: Ist das getilgt worden?
00:07:48: Du überprüfst Provenienzen also Spuren von Vorbesitzerinnen und Vorbesitzern, erfasst diese um quasi das individuelle Exemplar ein bisschen genauer zu beschreiben und zu sagen was ist die Eigenheit dieses Exemplars.
00:08:01: Verstehe ich das richtig so?
00:08:02: Du verstehst es richtig ebenso quasi die Beschreibung Der Inkonabel im allgemeinen Sinne, was es alles gibt.
00:08:12: Wie umfassend diese sind und so weiter.
00:08:14: Und sofort machen diese nationalen Bibliografien neben der Gesamtkatalog der Wegen-Drucker.
00:08:20: Die sagen auch wenn zum Beispiel ein Drucker nicht genannt wird dann können sie mit der Drucktype auf einen bestimmten Druckort oder auf einen Drucker schließen.
00:08:32: Was ist Drucktyp?
00:08:34: So der Kollege, die Drucktype...
00:08:36: Die verwendete Schrift und ihre Gestaltung.
00:08:40: Also
00:08:40: man geht davon aus, dass die Schriftige gossen werden, die von einem Drucker dann verwendet wird, die ist dann individuell.
00:08:46: Und wenn es da vielleicht Fehler gibt, jedes zwanzigste R hat irgendeinen komischen Ecknaphten lässt sich das zuordnen.
00:08:53: Ja oder er hat wirklich seine eigene Schrift gegossen, oder hat sie gießen lassen und dann immer wieder verwendet.
00:08:59: und die unterscheidet sich halt von jedem Drucker so ein bisschen weil er hat sie auch selber hergestellt.
00:09:05: was eben für uns immer wieder neu dazu kommt ist eben diese Provenienzerschließung.
00:09:10: Das ist ja spannend!
00:09:11: Es ist viel mehr als eine neue Zuordnung wenn ich das richtig verstehe zu Katalogen, zu anderen Findmitteln sondern du Suchst auch nicht nur Tilgungen, ein schönes Wort.
00:09:20: Was fehlt?
00:09:21: Sondern was neu dazukommt, was es St.
00:09:23: Gallisch, was das so stifsürtig gehörend macht.
00:09:27: oder ich kenne diese schönen Eintragungen lieber Sancti Galli ad Geodmari vorne drin oder da steht irgendwie auch so'n gekauft in Paris von Mauritius Eng zum Beispiel nicht solche Eintragen und die erfasst du dann ja auch oder?
00:09:42: Das erfasse ich und diesen Mauritios Eng den Du erwähntest.
00:09:46: dass ist eine der spannendsten Personen in der neuen Bibliotheksgeschichte.
00:09:52: Der hat mit einem anderen Mönch Joachim Obser in Paris ganz viel eingekauft und dann wurden die Bücher hier zurückgeführt, er war im Anschluss in die Bibliothik tätig und hat eben in ganz vielen Drucken seine Spuren hinterlassen.
00:10:06: Er hatte eine ganz eigene... eckige Schrift, die ich mittlerweile sehr gut erkenne.
00:10:11: Und wenn ich dann eben schreibe... Es gibt da einen handschiftlichen Eintrag.
00:10:16: wie du das gesagt hast heißt es bei ihm meist Lieber Sanktigalli Atkwe Otmari Ich erkennene seine Schrift wieder.
00:10:24: Ich schrei be dazu dass Maurizius Eng ist.
00:10:27: Irgendwann, wenn die gesamten Bestände der Stisibliothek so erfasst sind, kann man daraus dann schließen.
00:10:35: Wie viele Bücher hat er nun wirklich in Paris gekauft?
00:10:39: In wie vielen hat er einfach nur seine Spuren hinterlassen?
00:10:44: und das sind zukünftige Provenientfragestellungen, die wir da mit dieser Erschließung bedienen können.
00:10:53: Also hast du jetzt schon ... Neben dem, dass du Einzelaufnahmen machst und im einzelnen Buch sagt man Obduktion oder Autopsie.
00:11:01: Autopsi.
00:11:01: Autopsy so wirklich aus der Medizinbegriff nicht?
00:11:04: Ja Dinge entdeckt hast Du schon Dinge die Du wieder entdeckst wo Du weißt.
00:11:08: ah dieser Name den hatte ich schon mal Der kommt nochmals und er kommt nochmal Und dann hat man plötzlich einen Hinweis da haben jetzt zehn Bücher zu einem Themenkreis ist jetzt langsam spannend nicht und warum sind die?
00:11:19: bei uns gibt es solche solche Momente?
00:11:21: Also Eng ist auf jeden Fall so ein Fall.
00:11:24: Vor kurzem bin ich nochmals über einen Jakob Brülesauer gestoßen, der war ein Stadtarzt und da hat man von seinen Erben die Bücher abgekauft und ich meine sogar Maurizius Eng hat dann eben hineingeschrieben weil das in dieselbe Zeit hineinfallt dass man das Phoniet mit übernommen hat und das sind teilweise medizinische Bücher.
00:11:46: Also ich spreche davon fünf bis zehn, das sind nicht unbedingt so viele.
00:11:49: Aber trotzdem ein spannender Bestand!
00:11:53: Kann man sagen dass du damit wie beginnst und falls du nach den nächsten Jahrzehnte hier arbeitest wird die Arbeit werden die Bücher immer jünger die du bearbeitest.
00:12:03: wir werden es leider nicht.
00:12:04: aber
00:12:05: ja Ja, das kann man schon so sagen.
00:12:07: Aber es ist auch immer ein bisschen eine fliegende Wechsel.
00:12:10: Manchmal mache ich in Konabeln, manchmal mache ich St.-Galder Klosterdrucker im anderen Gebiet aber eben auch alte Drucken.
00:12:16: Das ist ein genuines eigenes Bestand oder hier in Kloster-Interdruckerei gedruckt was es denn wirklich nur hier gibt?
00:12:23: Es gibt schon auch Klosterdrücke in anderen Institutionen, auch der Kantonsyliothek und Staatsarchiv.
00:12:29: Die wurden schon verteilt.
00:12:31: Also wirklich wie eine Druckerei wollte man die Publikation unter die Leute und auch andere Institutionen bringen, also man hat das nicht nur für sich gemacht teilweise ganz bewusst für sich.
00:12:42: Man hat beispielsweise die Urkunden des Archivs als eine Sicherungskopie gedruckt aber man hat ein bisschen Ende des achtzehnten Jahrhunderts auch so Lehrbücher gedruckte, also für die Schule Musiknoten ganz viele verschiedene Sachen wurden da gemacht und das war schon für die Öffentlichkeit gedacht.
00:13:05: Deswegen sind sie nicht nur hier vorhanden?
00:13:09: Ich nehme an, wir haben die größte Sammlung für stift-sanktgalische Klosterdruck bei uns... Ja, ja,
00:13:14: das kann man schon
00:13:15: sagen!
00:13:16: Du erlaubst mir diese Frage so mit Blick auf den ganzen historischen gedruckten Buchbestand, den wir haben.
00:13:22: Handschriften sind ja immer Einmaligkeiten weil sie doch abschreiben nicht das sehr ideelles Erhalten und den Druck zeichnet da gerade die Herstellung in Auflage aus.
00:13:31: Gibt es aber bei uns gedruckte Werke vielleicht auch bei den Ältesten?
00:13:35: Die ist wirklich nur einmal und nur hier gibt sind ja da viele im Kopf oder begegnet schon?
00:13:40: Ja, das sind wir auf jeden Fall.
00:13:42: Einige begegneten.
00:13:43: Auch das ist ein Ausstellungsthema nur du vor einigen Jahren und da wurden einige Drucken gezeigt.
00:13:51: Gerade Einblattdrucke sind häufig nicht so oft überliefert Und es gibt zum Beispiel einen Band in der Stichzylothek, der enthält drei Einblatdrucke.
00:14:04: einmal hervorgenommen habe und wie so ein bisschen überprüft habe, die eben das Rekatalogisiert ist mir auch aufgefallen dass da einen Einblattdruck mit drin ist.
00:14:15: Und er wurde im entsprechenden Verzeichnis der Einblatterucke aus dem fünffzehnten Jahrhundert kurz VE-Fünfzehn zwar aufgeführt, dass es diesen gibt aber mit dem Vermerkt, dass er verschollen ist und dachte ich so okay also... Der Ristader wurde einfach vergessen, die Bibliothekssignaturen entsprechend nachzuliefern.
00:14:35: Und mittlerweile sind auch alle digitalisiert und sind auf der schweizischen Plattform für digitalisierte Druckerara zugänglich.
00:14:45: Es ist schön wenn man nicht nur von den Sprechenkampen von diesen Unikaten sondern wenn man die beschreiben kann und im Anschluss auch im Bild sehen kann.
00:14:55: Also es ist die ganze Grundlage für die weitere Forschung die da gemacht wurde.
00:14:59: Du sprichst Erara an das Bild, das digitalisiert aber vor allem die ganzen Metreinformationen also die Katalogeeintragungen dazu um das suchbar zu machen nicht?
00:15:09: Das ist ja deine Arbeit die sich dahinter verbirgt für die Forschung.
00:15:13: Ja für die Forschung.
00:15:14: ich erschließe für eine mögliche zukünftige Fragestellung.
00:15:18: und dann ist es eben spannend gerade bei Einblattdrucken ein Blattdrucke haben in den meisten Fällen nur in unsere Zeit überlebt, weil sie im vorderen oder im hinteren Spiegel eingeklebt wurden.
00:15:31: Einer Handschift oder einer Inkonablen oder eines alten Druckes.
00:15:35: Ansonsten wurden die vielleicht aufgehängt.
00:15:38: und dann ist es eben spannend, in welche Inkonabel, sage ich jetzt wurde das eingeklebt?
00:15:45: Wem hat das früher gehört?
00:15:48: kann man allenfalls auch sogar etwas überdennen Einband sagen, aus welcher Werkstatt, also welche buchbinde Werkstatte erstand.
00:15:58: Diese Informationen gehören mit zu der Überlieferung der Einblattdrucker wenn wir jetzt bei diesem Beispiel bleiben.
00:16:06: Mir habe ich noch zwei Fragen gerade im Kopf.
00:16:08: das eine Postinkonabel der schöne Begriff denn ich hab das noch gelernt vor keine an fünfundzwanzig Jahren wo ich habe begonnen habe den verwendet ja nicht mehr oder?
00:16:17: Das für diese Frühdrucke bis fünftzehntzwanziger.
00:16:19: Das ist so ein bisschen überholte Begrifflichkeit.
00:16:22: Wenn man diesen Schnitt um Fünfzehnhundert macht, sind die anderen einfach frühe Drucker aus dem sechzehnten Jahrhundert?
00:16:29: Und dann das zweite, du sagst diese Vorbesitzergeschichten, diese Buchdeckel, dieses Einbahnstempel ... Wasserzeichen habe ich noch gar nicht gefragt für die Vorsatzblätter, die du wahrscheinlich auch noch anschaust also ganz viele so hilfswissenschaftliche Themen historische... die da zusammenkommen bei deiner spannenden Arbeit.
00:16:45: Aber schmerzt sie dich nie, dass wir so viele Buchdeckel verloren haben?
00:16:49: Ja doch!
00:16:50: Bei den Inkonabeln ist es ja wirklich so, dass die Ende des achtzehnten Jahrhunderts einen einheitlichen Buchrücken erhalten haben damit die im Baroksal der Stichsybiothek Einheitlich glänzen, sage ich jetzt mal.
00:17:07: Einen einheitlichen Auftritt hinlegen.
00:17:09: Wenn Sie Ihren nächsten Besuch in der Stichstilothek planen können Sie mal schauen ob sie diesen einheitliche Auftritt einige Bücher finden Und im Zuge dessen wurden teilweise die Vorder- und Rückendeckel dieser Inkonabeln entfernt.
00:17:27: Ich weiß natürlich nicht ob die angegriffen waren, in keinem guten Zustand oder ob man die doof fand wie auch immer.
00:17:36: Ich glaube das war einfach nicht der städtische Forschung der Zeit, wie sie aussehen müssen.
00:17:40: Ja aber das stimmt einerseits.
00:17:43: Andererseits da, wo die originalen Vorder- und Rückendeckel noch vorhanden sind wurde trotzdem einfach ein einheitlicher Buchrücken darüber geklebt.
00:17:53: Also es wäre schon auch anders gegangen.
00:17:55: entweder man hat ihn darüber geklappt und wir haben diese ursprüngliche Information über die Buchbündewerkstatt mithilfe der Stempel noch.
00:18:03: oder es wurde eben die Vorder und Rückendeckl entfernt und man hat den Buchrück ... wie bei den anderen darüber geklebten ebenfalls neu darübergeklebt und anstelle der ursprünglichen Vorder- und Rückendeckel hat man so blaue Pappe genommen.
00:18:21: Vielleicht war da wirklich ein Schadensbild oder so, aber es sind damit ganz viele Informationen verloren gegangen.
00:18:28: Also
00:18:29: die einen Bücher haben ihre alten Deckel behalten und sie haben einen Halbleeder Einbahn drüber gekleppt?
00:18:34: Ja!
00:18:34: Und bei anderem, du vermutest vielleicht schlechter Zustände, dass man die weggenommen entfernt... Langweilige Kartondeckel hingemacht, mit leeren Spiegeln dann nicht.
00:18:43: Also neue Blätter in einen drüber wo nichts mehr drauf steht und auch diesen Halbleedereinband, der ein bisschen glanz macht.
00:18:50: Wenn die Buchdeckeln noch da sind was machst du mit den Buchdeckel?
00:18:54: Was kann man daran erkennen?
00:18:56: Man kann etwas erkennen wenn sie in einem professionellen buchbinde Werkstatt hergestellt wurden.
00:19:06: muss ich das so denken, dass man früher eigentlich den Buchblock bzw.
00:19:10: den Inhalt die einzelnen Blätter gekauft hat und man hat dann diese zum Binden in eine Buchbindewerkstatt in Auftrag gegeben?
00:19:20: oder man hat es selbst gemacht z.B.
00:19:23: im Kloster in einer eigenen Buchbindewerkstadt Und in einzelner Fällen konnte man das schon auch so erwerben.
00:19:30: Diese Die Buchbindewerkstätten haben je ihre eigenen Stempel verwendet.
00:19:37: Ähnlich wie die Drucktypen der Drucker erzählen sie ihre eigene Geschichte.
00:19:43: Jede Buchbinderwerkstatt hat eben ihren eigenen Stempel oder mehrere und die haben Sie auf den Vorder- und Rückendeckel geprägt, auf das Leder womit die Holzteckel eingefasst wurden einem dünnen Papier abreiben mit einem Bleistift, so wie man das mit Münzen oder Blätter oder Gullideckel machen kann und bekommt dann ein gutes Bild davon.
00:20:13: Hier gibt es auch eine elektronische Datenbank auf die ich zugreifen kann – die Einbanddatenbank – und ich suche nach diesen Stempeln.
00:20:21: Und wenn ich einen Stempel gefunden habe, dann habe ich eben auch die Werkstatt dazu.
00:20:27: Bei diesen Werkstätten gibt es Informationen dazu, wann diese tätig waren und aus welchem Ort die stammt und dann kann ich den Einband so bestimmen?
00:20:36: Zuerst eine Verständnisfrage.
00:20:38: Stempeln denken viele wahrscheinlich an kleine Bastelstempel mit Stempeltistenfarbe aber das ist ja ein Holzdecker.
00:20:45: Ein Prägestempel ist das eher...
00:20:48: Und dann hat man dieses Leder, das vielleicht ein bisschen gefeuchtet ist und mit viel Druck und Wärme.
00:20:54: Der Stempel ist warm.
00:20:57: Dann gibt es verschiedene Stempeln.
00:20:59: Es gibt diese Stempels die man prägt einfach einmal presst oder?
00:21:03: Und dann hast du aber auch Rollenstempel nicht!
00:21:05: Ja also auch solche, diesen meist eher klein, vielleicht sowieso... schon wie ein Daumen oder so, die sind meistens auch nicht nur einmal angebracht sondern öfters und eben zwei bis drei verschiedene, die alle aus derselben Werkstatt sind.
00:21:24: Und es gibt auch Rollenstempel- oder ganze Platten mit Illustrationen einer Szene aus der Bibel beispielsweise die Kreuzigung Christi, also die dann da auf dem Vorder- oder Rückendeckel meist mittig angebracht wurde Aber das eigentlich eher im sechzehnten, nicht im fünften Jahrhundert.
00:21:44: Also du hast so ein ganzes Set von verwendeten Stempeln dann auf einem Buchdeckel drauf oder auf einem Rückdeckel darauf und das versuchst Du dann wie zuzuordnen zu einer Werkstatt und vielleicht zu einer Zeit wann und wo das gebunden wird?
00:21:57: Das ist schwierig weil Bücher werden vielleicht später gebunden als gedruckt, oder?
00:22:02: Und vielleicht wenn die Stempel gut erhalten sind und gut gemacht sind werden sie sehr lange gebraucht stelle ich mir vor
00:22:09: Auch da ist es wieder so wie beim Gesamtkatalog der Wiegendrucke.
00:22:13: Da haben wir andere die Forschung gemacht Anfang Mitte des zwanzigsten Jahrhunderts und ich verlassen mich einfach auf deren Angabe, wie lange ein Stempel einer Werkstatt in Gebrauch war und wie lange sie tätig waren.
00:22:26: Da übernehme ich nur deren Angaben.
00:22:28: Wenn ich dich finde das eine große Freude dann kann Ganz klar sagen, dass es diese Werkstatt ist und seit rund einem Jahr vermerke ich auch in dieser Datenbank das wir einen Einband aus dieser Werkstatte haben.
00:22:45: Wiederum für spätere Forschungsfragen mag es spannend sein wo in welchen Institutionen Bücher mit entsprechenden Einbanden aus einer spezifischen Werkstelle die beispielsweise in Augsburg oder so tätig war heute noch liegen?
00:23:02: Spannend.
00:23:02: Also diese Verzeichnisse werden auch immer präziser mit den neuen Eintragen, die dazukommen?
00:23:07: Ja!
00:23:08: Das ist dann nicht eine abgeschlossene Tätigkeit und das Gesamtbild wird dann genauer.
00:23:13: Ist es eine schöne Arbeit mit alten Büchern?
00:23:15: Es ist eine sehr schöne Arbeit.
00:23:18: viele haben natürlich die Faszinationen wollen diese Sachen anfassen.
00:23:23: der Mensch ist eigentlich ein Wesen dass alles seine Sinne gerne einsetzen würde und das darf ich immer machen.
00:23:30: Ich war mal in einem Praktikum in den USA und da hat der zuständige für alte Drucker gesagt, dass man diese Erfahrung muss mit allen Sinnen.
00:23:39: Also Tasten riechen hören wenn man sie blättert sehen außer was nicht erlaubt ist und was weniger gut ist wenn man die ablegt.
00:23:50: Aber Riechen erkläre mir das schnell!
00:23:52: Ist das ein Sinn?
00:23:53: Man erfährt ein Buch es ist klar nicht alle riechengleich.
00:23:57: aber ist das etwas?
00:23:58: gibt es Dinge die man dann vermerkt Riecht komisch, Vorbesitzer hat geraucht.
00:24:03: Bei diesen alten Drucken spielt das natürlich nicht so eine Rolle.
00:24:06: die riechen einfach irgendwie alt.
00:24:08: aber bei neueren Büchern so neunzehntes zwanzig Jahrhundert kann es sein dass die Sauer rieche was ein Hinweis dafür ist das eben das Papiersauer ist dass es brüchig wird.
00:24:21: damit auch also sagt schon auch etwas über den Zustand aus
00:24:27: Spannend.
00:24:28: Es ist auch immer schön, du hast ja auch illustrierte Drucker.
00:24:30: Immer den Moment wenn man bei dir durchläuft und da liegt so ein Buch neben dem Computer wo du erfasst und du hast gerade etwas Schönes aufgeschlagen dann darf man das jeweils anschauen oder teilst einem das ja auch mit also teilst auch quasi deine Freude.
00:24:44: Ja ich möchte da nochmal zurückgreifen.
00:24:47: diese Textwüsse empfinde ich überhaupt nicht als Textwüste weil diese früheren Drucktypen diese Schriftarten Die sind in den meisten Fällen einfach wunderschön und man kann nur eine Seite betrachten.
00:25:00: Und es ist ein Geschenk fürs Auge sozusagen, aber es gibt tatsächlich noch zusätzliche Illustrationen im Form von Holzschnitten.
00:25:09: die haben auch ihre ganz eigene Schönheit weil sie grob und trotzdem fein sind.
00:25:17: Teilweise sind sie koloriert meist derzeit also so ein bisschen grobflächig wertvolle Stücke, die zwar vielleicht keine Holzschnitte enthalten.
00:25:31: Die hat man aber geschmückt noch mit handgemalten Initialen und da wurden die prächtigsten Farben dafür verwendet.
00:25:41: also Gold- und Blau- und Weiß sind wunderschön anzusehen Aber eher selten.
00:25:47: Wir haben viel gesprochen, du hast von allen Sinn erzählt.
00:25:50: Aber hier im Podcast können wir diese Grenzen ja Tonspur nicht verlassen oder nicht so gut versuchen vielleicht dann in die Shownodes einen Link zu nehmen auf diese Digitalisierung von Erara, die du schon angesprochen hast.
00:26:01: kannst du uns etwas empfehlen was man zur Illustrierung dessen was du jetzt ein bisschen ausgeführt hast doch anschauen könnte von Zuhause aus.
00:26:09: Für den C-Sinn kann ich die drei Einblattdrucker empfehle in einem Fall mit einem Randleißen-Holzschnitt versehen und die anderen, die darf man einfach von ihrer Schriftgestaltung her genießen.
00:26:24: Da stelle ich es ihr gerne zusammen!
00:26:26: Und für den Geruchssinn muss man in die Stysliothek kommen?
00:26:33: Am besten am Morgen früh wenn noch wenig Küste dabei waren.
00:26:35: dann hat man die Chance alte Büchern auch so ein bisschen Hauch zu riechen.
00:26:39: ja...
00:26:39: Genau, denn Tastsinn können wir leider nicht bedienen und eben den Geschmackssinn Den bediene ja nicht mal ich.
00:26:46: Savina, herzlichen Dank für dieses Gespräch und diesen Einblick in deine Arbeit.
00:26:50: War sehr interessant!
00:26:51: Danke schön.
00:26:51: Danke auch.
00:26:53: Tschüss.